Mal wieder in Hamburg unterwegs – schwimmend, radelnd, laufend

Ich sag euch… das war heute ein anderer Schnack!

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Zum zweiten Mal habe ich mich in Hamburg an die Olympische Distanz gewagt… aber schon am Samstag in der Staffel für die Sportbild feststellen müssen, dass man mir das Wochenende nicht einfach machen wird!

Zum ersten mal war es wirklich so, dass mein Kopf den Wettkampf bestimmt und mich vor dem Aufgeben abgehalten halt.

Ich weiß nicht, ob es ein ‚gegen‘ oder ‚mit‘ dem Körper kämpfen war… ich weiß nur, dass ich das ständige „Hör auf! Es geht nicht mehr!“ ignoriert habe.

Es war nicht, dass der Triathlon an sich meine Grenzen neu definierte… es waren die Bedingungen, die mich am eigenen Leib erfahren ließen, dass nicht allein die körperliche Verfassung über den Ausgang eines Wettkampfs entscheidet.

In meinem Fall, war es die Kälte. Die Alster WAR EINFACH ArrrKALT. Und ja, ich gebe zu, hätte ich mich doch in einen Neoprenanzug zwängen sollen, aber bis dato war mir diese Robbenhaut einfach nur zusätzliche Last anstatt sie als wärmenden Schutzmantel zu sehen. Sobald die Wassertemperatur unter 21 Grad fällt (wir hatten 19) und somit der Neo erlaubt ist, lechzen die meisten Triathleten ja sofort danach und hoffen ein paar Sekunden gut machen zu können… aber ich hab da nie wirklich den Zeitgewinn drin sehen können – schließlich muss er auch wieder ausgezogen werden.

Aber nach dieser 1,5km-Erfahrung im Moor-Wasser steht fest, dass ich mich bei gleichen Temperaturen in diesen gummrigen Body quetschen werde!

Ich als zartes Wesen stand da nämlich nur in meinem Einteiler… umgeben von jenen großen männlichen Paketen in Robbenhaut. Vereinzelte Blicke hatten da bereits Mitleid mit mir…

Vom Vortag wusste ich, dass es reicht, wenn ich erst eine Minute vor dem Start ins Wasser gehe und somit nicht unnötig Kraft in der Kälte verliere. Denn ich habe gefühlt wirklich jedes Quäntchen Kraft gebraucht, als ich die Binnenalster durchpaddelte, unter die Kohlbrandbrücke hindurch kraulte und mich nach der Boje streckte – die erst der Wendepunkte war und dies Mal gefühlt aber nicht näher kommen wollte.

Einerseits einen kleinen Motivationsschub verspürt – „Jetzt geht’s zurück!“ -, andererseits festellen müssen, wie die Füße langsam taub werden, die Arme schwer, der Körper steif. Aber die Beine und Arme folgten irgendwie trotzdem weiter den Anweisungen meines Kopfes. Ich stand bzw. schwamm gefühlt neben mir. Funktionierte einfach. Doch immer wieder kreuzten dabei erschöpfte Gedanken meinen Ehrgeiz, der dies Mal wirklich mehr als einmal wackelte.

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Aber während dieses Zwiespalts verflogen zugleich Meter für Meter und ich kam dem Rathausplatz näher, wo der Schwimmausstieg war. Also einfach weiter.

So stolperte ich nach 34 Minuten aus dem Wasser. „Blass und grau. Nicht wie sonst frisch samt roter Bäckchen“, wie meine Mutter meinte. Trotzdem taten die Beine weiter wie befohlen und ich rannte zitternd Richtung Wechselzone.

Das Zittern war ich wie die Kälte schon vom Vortag gewohnt. Da lag es aber nicht an der Kälte, sondern dem Schock, der sich nach der Kollision mit dem Radfahrer bibbernd über mich legte. Er raste in mich hinein und ich lag quasi gefaltet IM Rad. Nur dank Yoga-Skills bin ich da wohl verletzungsfrei herausgekommen. Der ‚Täter‘ peste aber einfach davon und ließ nur ein „Pass doch auf“ zurück… Ich weiß ja nicht, was manche hinter dem Ziel erwarten und deshalb unterwegs aufs Messerschneide derart ‚rücksichtsvoll‘ der Zeit hinterher jagen…

Aber gut, zurück zu heute… an der Wechselzone angekommen, warf ich nur das Tuch über mich und musste erst einmal zu mir kommen. Abbrechen! Aufhören?

Meine Eltern standen hinter mir am Zaun und schienen meine benebelte Unsicherheit zu merken. Aber ich zog die nasse Kleidung einfach aus. Zog trockene Kleidung frisch über. Konnte nur schwer das Gleichgewicht halten, während ich versuchte, in meine Schuhe zu schlüpfen.

Zucker… Irgendwas…

Ich quetschte mir ein Energiegel zwischen die Kiemen (nach dem Wasser war mein Kiefer steif und festgefroren), wickelte mir einen Schal um und zog meine Handschuhe an – allein, dass ich sie eingepackt habe, zeugt anscheinend von einer bösen Vorahnung.IMG-20160717-WA0005_resized_20160717_071853080Ich nahm mein Rad und stolperte los. Zu dem Zeitpunkt noch immer rammdösig und wie betäubt. Nach 10km hörte das Zittern auf, nach zehn weiteren wurde mir langsam warm… erst auf der zweiten Hälfte funktionierte ich nicht mehr nur, sondern spürte auch wieder, was ich tat.

Nach 1:22h ging ich auf die Bremse und manövrierte die schweren Beine wieder durch die Wechselzone zu meinem Stand. Zog die Winterbekleidung aus und durfte endlich auf die Laufstrecke.

Erst da wusste mein Körper, was los ist. Die Euphorie und der Ehrgeiz packte mich wieder und ich rannte einfach nur. Überholte Läufer für Läufer (gefühlt nur Männer auf der Strecke) – all jene, die es mir zuvor gleich taten und mich auf meiner (NICHT-)Paradediziplin alias dem Radfahren überholten.

Auf den ersten fünf Kilometern noch mit einem 4:28Min Schnitt pro Kilometer (knapp 23Min) die Beine in den Rhythmus bringen… auf der zweiten Hälfte dann mit einem 4:22 Schnitt die 44 Minuten insgesamt komplett machen. Zufrieden🙂

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Aber der Binnenalster habe ich die Worte „now enjoy“, die über mir auf einem Banner thronten, mehr als beherzigt und rannte durch den blauen Kanal aus jubelnden Zuschauern und ITU-Werbeplakaten nach 2:55 Minuten ins Ziel.

Ein großes Dankeschön gilt meiner Familie und meinem Cousin, die mit fieberten und ebenfalls sorgenvoll zitterten, aber den Glauben an mich nie aufgaben!

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Obendrein ein dickes Dankeschön an meinen Trainer, der mich nun seit gut drei Monaten auf den richtigen Kurs lenkt😉 Bis dato hatte ich immer für mich trainiert – zeitlich ungebunden aber umfangreich, aber zuweilen auch nur innerhalb meiner Komfortzone. Der Gute weiß sehr genau, was er tut und ich bin sehr dankbar und stolz über die sportliche als auch menschliche Bereicherung. Zwar liegt der Fokus im Training auf das Laufen, aber er hat schnell gemerkt, dass ich zwischendrin einfach auch mein Wasser brauche (jetzt erst mal mindestens eine Woche nicht😀 ) und schreibt mir seit Neustem auch immer wieder „Schwimmen“ in den Plan😉

Ja… damit endet dieser bunt emotionale und teils auch sehr graue Tag, aber letztendlich sitze ich hier gerade sehr glücklich vor meinem LapTop und schreibe diese Zeilen mit einem Lächeln!

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Wer sind die überhaupt?

Die ASICS-Raketen des Team Memmert sehe ich nur überall über die Straßen pesen… aber wer sie eigentlich sind und woher sie kommen, vor allem auch warum – weiß ich nicht.

Deshalb: Knall hart nachgefragt… bei Sebastian Reinwand! Der Leichtathletik-Enthusiast, der für diesen Sport lebt und großen Anteil daran hat, dass seine Teamkollegen dies auch tun können!

Das Team Memmert wurde 2012 gegründet, um zunächst Triathlon-begeisterten Firmenangehörigen die Möglichkeit zu geben, für einen gemeinsamen Verein zu starten – im Landkreis Roth war die Idee ja nahelegend.

Unser erstes Laufteam mit einigen regionalen Läufern hat sich 2014 entwickelt und seit 2015 sind wir ‚professionell’ aufgestellt.“

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Also keine lahmen Memmen, die temporär mal die Laufschuhe schnüren!

Okay nein entschuldigt! Jeder, der sich irgendwie – egal wie oft – zum Laufen motivieren kann, hat einen Schulterklopfer verdient. Aber worauf ich anspiele: es sind tatsächlich alles andere als Hobbyläufer, obwohl es rein vom Alltag her scheinbar ganz normale Ottonormalverbraucher sind. Denn jeder von ihnen arbeitet nebenher und widmet sich nämlich nicht allein dem Laufsport.

Sebastian stellt an dieser Stelle einmal kurz vor:

Da haben wir einerseits Andreas Straßner – „der alte Mann, aber definitiv auch der im Kopf am jüngsten Gebliebene.“ Gemeinsam mit ihm arbeitet Sebastian für Memmert (GmbH + Co. KG), die sie unterstützt. Ein mittelständisches Familienunternehmen, das sich bewusst auch regional und abseits vom Fußball für den Sport engagiert. Das erfolgreiche Laufteam ist dabei nur ein Teil von vielen Projekten.

Simon Stützel – „Der akribische Tüftler überlässt nichts dem Zufall. Von verschachtelten Intervallserien, für die man einen Merkzettel benötigt, bis zum selbst hergestellten Energy Gel ist bei ihm alles genauestens durchdacht.“

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Julian Flügel – „der Gelassene. Ihn bringt nichts aus der Ruhe, denn ‚wo Gegenwind ist, weht auch Rückenwind’. Da wird schon auch mal das Frühstück für den Berlin Marathon erst Samstagabend um 22:30Uhr besorgt – in Bayern stünde er da vor verschlossenen Türen.“

Paul Schmidt – „Ihn kann man in keine Schublade stecken. Bei uns in Franken würde man sagen: ‚Bekannt wie ein bunter Hund’. Als wir in Barcelona gemeinsam zum Laufen sind und noch keinen Kilometer gelaufen waren, schreit plötzlich eine hübsche Brünette: ‚Hey Paul!’; Simon ist ihm schon zufällig ihm Central und Hyde Park über den Weg gelaufen. Dass aber unter dem bunten Kittel ein versierter Sportmediziner der Berliner Charité steckt, vermuten im Vorfeld die Wenigsten.“

Na und der Sebastian läuft nicht nur selber schnell, sondern stellt nebenher das Rahmenprogramm zusammen. Kümmert sich also um die organisatorischen Dinge wie Wettkampfplanung, Trainingslager, Teambekleidung, Sponsoren etc.

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Und innerhalb dieses Systems harmoniert es einfach: „Wir sind schlichtweg Freunde, die sich über den Sport kennen gelernt haben und kein Söldner-Team, wie uns manchmal vorgeworfen wird. Wir stehen füreinander ein, nicht nur im Sport als Pacemaker bei Wettkämpfen, sondern auch privat!“

Und nachdem sie neben Sport und Beruf wenig Zeit für anderes haben, „sind die Jungs ein Stück weit auch Familie.“

Man durchlebt gemeinsam Höhen und Tiefen. Emotionale Momente – geprägt von Euphorie und Freude: „Am schönsten sind natürlich immer die Siege, vor allem Simons Freude hat man letztes Jahr lautstark bei der 10km DM hören können. Für ihn war es ein starkes Comeback nach langer Verletzungspause, da viel die ganze Last endlich ab.“

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…aber auch Schmerz und Ernüchterung: „Die härteste Erfahrung war für uns sicher Julians Ausscheiden aus dem Team für Rio. Wir saßen alle zuhause vor dem Liveticker und konnten kaum glauben, was Hendrik Pfeiffer da am letztmöglichen Tag auf die Straße zaubert. Das hat uns allen weh getan.“

All jene Erfahrungen schweißen natürlich zusammen.

Dass wir sie wirklich als Team antreffen, passiert nur leider nicht all zu oft. Bei den deutschen Meisterschaften versuchen sie aber immer geschlossen am Start zu stehen.

Der Terminkalender des DLV ist oft so kurzfristig und ungünstig, dass wir die ein oder andere Titeljagd auslassen müssen. Ansonsten sind wir häufig gemeinsam bei den großen City (Halb-) Marathons unterwegs.“

Gemeinsam wird aber zweimal pro Jahr intensiv im Trainingslager oder selten auch an Wochenenden trainiert.

Mehr ist leider nicht möglich, weil wir ja alle berufstätig sind. Strassi und ich trainieren häufiger gemeinsam. Bei uns Zuhause wohnen ja auch noch ein paar andere Memmert-Läufer, die zwar nicht so bekannt sind, aber trotzdem mit uns trainieren können.“

Also reißt jeder die meisten Kilometer für sich allein, um dann schließlich wieder im Team den deutschen Meistertitel über 10km auf der Straße verteidigen zu können.

Auch wenn wir gerade mit einigen Verletzungsproblemen zu kämpfen haben, bin ich zuversichtlich, dass das noch klappt. Mit Philipp Baar und Timo Göhler haben wir nicht nur zwei USA Heimkehrer (Stipendium) in der Hinterhand, sondern mit letzterem auch noch den jahresschnellsten Deutschen über 10.000m in 28:57min. Wenn alles gut geht, treten wir auch wieder zur Deutschen Marathon Meisterschaft in Frankfurt an.“

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Es ist bewundernswert zu sehen, wie erfolgreich die Jungs sind – und das als Nicht-Profis oder wie Sebastian sagt: „Berufstätige Amateure.“ Denn allein vom Sport zu leben, ist schwer.

Glücklicherweise decken ihre Sponsoren und Ausrüster aber ganz gut die Kosten für Trainingslager, Physio und Material ab, „sodass wir unser exzessives ‚Hobby’ zum Nulltarif ausleben können, ohne uns finanziell Gedanken machen zu müssen.“

Also… noch mal kurz zusammengefasst… Welche Definition finde ich für das Team Memmert, wenn ich mal eben rasch im Lexikon blättere?

Deutschlands erfolgreichstes Berufstätigen-Laufteam!“

Und dann überlege sich einer mal, zu was die Jungs fähig wären, wenn sie sich allein dem Laufen widmen würden! 0.0

Der Velothon Berlin – ein JEDERMANNrennen

Mehr als 10.000 Starter hatte der diesjährige 9. Berliner Velothon. In der B.Z.-Reportage geht es in erster Linie aber nicht um die Profis.

Der mittlerweile vierte nervöse Blick auf die Uhr, ein Zurechtzupfen der gepolsterten Radhose, ein testender Klopfer auf den Helm, ein letzter prüfender Schwenk übers Rad, eine in sich gekehrte Anspannung, ein konzentrierter Blick. Es macht keinen Unterschied, ob Jedermann oder Profi, die Bilder bei der neunten Auflage des Velothon Berlins gleichen sich. Nervosität und Adrenalin sind neben den über 12.000 Fahrern mit von der Partie.

So auch bei der 39-jährigen Kathleen, die zum zweiten Mal den 60-km-Hobby- und Einsteiger-Kurs angreift. Um 7.40 Uhr macht sie sich für ihren Start Höhe ‚Großer Stern/Straße des 17. Juni bereit: „Ich bin aufgeregt. Ich habe Angst, zu langsam zu sein und vom Besenwagen eingesammelt zu werden“ gibt sie zu. „Ich bin ein wenig in Sorge um das Material, weil ich in letzter Zeit öfter mit einem Platten zu kämpfen hatte. Das will ich heute bitte nicht.“

Angst vor dem Reifenplatzer

Gute anderthalb Stunden später nimmt sich Frank Mertens (50) zum achten Mal in Folge mit seinem Skoda-Team die 120 km vor: „Insgesamt sind wir zu siebt am Start, darunter zwei Schweizer, die extra wegen des Rennens nach Berlin kommen.“ Moritz Malcharek setzt noch mal gut 50 km drauf. Der 18-Jährige ist einer der Favoriten unter den 153 Elite-Racer, die bei den Deutschen U23-Meisterschaften (175km) ins Rennen gehen.

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Gleich geht’s los: Frank Mertens mit seinem Skoda-Team

2008 ist das Rad-Event mit über 10.000 Teilnehmern gestartet und hat sich in kurzer Zeit zu Europas zweitgrößtem Jedermann-Radrennen entwickelt – nur die Vattenfall Cyclassics in Hamburg ziehen mehr Sportler an. Auffällig in Berlin: Auch Ex-Profis mischen sich als „Safer Cycling Guides“ unter die Radmassen und stehen bzw. fahren den anderen Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite. So auch Guido Fulst (46) – zweifacher Olympiasieger (1992, 2000), mehrfacher Weltmeister und 15-maliger Deutscher Meister.

Ex-Profi Guido Fulst hilft

Er geht aber mit einem weit greifenderem Ziel auf die Strecke: im Rahmen des Projekts „Radsport Libanon“, unterstützt er das Ziel, den Radsport im Libanon auszubauen.  Eine Aktion, die von Michael Lauer (57, Auswärtiges Amt) ins Leben gerufen wurde und mit Fulst und seiner Frau Dr. Janine Strunz nun fachmännische Unterstützung bekommt. Hierfür sind die beiden erfolgreichen libanesischen Radsportler Yuussof Mrad (17) und Garen Arabkirlian (17) sowie der Präsidenten des libanesischen Radsportverbands Abdo Nader (52) angereist, um von den Tipps zu profitieren – nicht nur auf, sondern auch neben der Strecke.

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                                                                 Guido Fulst mit seinem Team 

Und dahin gehen wir jetzt zurück: Wie ein eilender Schwarm durchziehen die eilenden Radfahrer die Straßen Berlins. Mit gut 40km/h zischen sie an einem vorbei. Auf den Millimeter genau fahren sie hintereinander her – bloß nicht überraschend den Rhythmus der Gruppe brechen und womöglich im Dominoeffekt einen Sturz verursachen. Während die knapp 250.000 Zuschauer begeistert mitfiebern und mit euphorischem Trommeln das rasende Treiben begleiten, ist ihnen die Anspannung fast schon deutlicher ins Gesicht geschrieben als den wütenden Fahrern. Sie teilen das Adrenalin. Sie leben den Sport.

Wettkämpfe wie diese sind emotionsgeflutet. „Unterwegs gibt es viel zu erleben: Eine Familie mit Schlagzeug und Bongos. Tanzende Helfer, Oma und Opa trillerpfeifend vom Balkon. Berge, die mir alles abverlangt haben und Abfahrten, die mich in den Geschwindigkeitsrausch katapultiert haben …“ erzählt Kathleen. „Aber auch nicht so tolles. Viele mit einem technischen defekt. Stürze, Notärzte, Krankenwagen. Das entsetzt und macht bewusst, welch’ Privileg es ist, radeln zu dürfen und zu können!“

Die Havelchaussee zu schaffen, ist ein gutes Gefühl

Schwierig war für sie  – wie erwartet – die Havelchaussee. Aber Windschatten ist für Kathleen P. dann keine Option: „Vielleicht kommt es bei mir auch daher, dass ich auf dem Rad in solchen Rennen allein kämpfe. Die Havelchaussee schließlich hinter sich zu haben, ist ein gutes Gefühl. Und auch an den Verpflegungsstellen vorbeifahren zu können, weil man nichts braucht!“

„Ansonsten sind die letzten drei Kilometer besonders beflügelnd: Das Ziel kommt näher und die Freude über das Finish damit auch. Ein sehr befriedigendes Gefühl!,“ schwärmt Kathleen. Es bleibt für jeden Starter eine ganz persönliche Herausforderung. Und zurück bleibt der Stolz! „Für mich sind solche Rennen immer was besonderes. Mit meinem deutlichen Übergewicht trauen mir die wenigstens Menschen zu, dass ich überhaupt Sport treibe. Jede verdiente Medaille ist somit nicht nur ein Sieg für mich ganz allein, sondern auch ein Argument gegen jeden Zweifler“, erklärt sie nach dem Rennen. Im Ziel eine Medaille in der Hand halten zu dürfen, fühlt sich toll an.

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Dafür hat es sich gelohnt: Kathleen mit ihrer Medaille 

Dabei verfolgt jeder hier sein ganz persönliches Ziel – und das heißt bei vielen eben nicht nur, die Ziellinie am Ernst-Reuter Platz zu überqueren: Für den gehandelten Favoriten Moritz Malcharek geht es beispielsweise noch um den Meistertitel, der hinter dem Ziel auf den Schnellsten wartet. Aber diesmal muss sich der 18-Jährige noch geschlagen geben. Pascal Ackermann (22) ist am Ende schneller und entscheidet die Meisterschaft für sich. Dafür will Moritz beim Jubiläums-Event (10. Auflage) im nächsten Jahr siegreich zurückschlagen.

von Ramona Richter

Auch auf der BZ online Seite erschienen🙂

Weniger ist mehr – mit Pascal Dethlefs und Natalie Jachmann

„Ich muss noch einmal um den Block, damit ich die 10km voll krieg’…“

„Ich war gestern schon nicht laufen, deshalb heute länger!“

„Auf dem Trainingsplan stehen aber 15km!“

Es scheint so, als wenn wir einfach funktionieren und unser Programm abspulen, komme was wolle. Wir lassen den Kopf entscheiden und ignorieren, was die Beine sagen.

Sicherlich hat ein Trainingsplan Sinn, wenn es das eigene Training effizient gestaltet – beispielsweise wenn man keine große Ahnung und Erfahrung hat, welche Einheit wann sinnvoll gesetzt wird. Was man machen kann, um schneller zu werden. Oder ein Trainer, der einem erst deutlich macht, dass  besonders die Regeneration entscheidend zum Trainingserfolg beiträgt.

Heutzutage kursieren aber Posts, die immer noch einen drauf setzen… es scheint so, als ob wir stellenweise genötigt werden, sein Körpergefühl auszuschalten – weil du sonst nicht mithalten kannst?

Der penetrante Leistungsgedanke ist im Leistungssport nicht gerade etwas Neues und medial ist auch hier wieder SCHEINBAR nur interessant, was überdurchschnittlich herausragt. Grenzen werden ins unermessliche bzw. unmenschliche verlagert und der Athlet muss diesem Trend folgen.

Immer mehr, immer besser – sonst bist du raus.
Schwächelst du, springen die Sponsoren ab. Bist du verletzt, interessiert es keinen mehr – ganz im Sinne von: lukrativ sofern gewinnbringend!

Auffallend ist nur, dass dieser Leistungsdruck mittlerweile auch schon den Ottonormalverbraucher erreicht hat und ihn bewusst steuert.

Du schnürst nicht einfach nur die Laufschuhe, schließt die Tür hinter dir und zupfst noch mal an den alt-bewährten-Running-Shorts… sondern hast die Laufuhr schon gestern geladen, das proteinreiche-Magnesiums-L-Carnitin-zugesetzte-Vitamin-C-geboostete-Powershake bereits rechtzeitig vorgeschüttelt und das Laufdress farblich abgestimmt. Wirst während des Laufens hysterisch, wenn rote Ampeln, im Weg stehende Passanten oder der schlechte GPS-Empfang im Wald deinen Schnitt negativ beeinflussen – dieses ‚Malör‘  rechtfertigst du dann später im Kommentar zum gestellten Pre-und Post-Selfie auf Instagram oder Facebook…

Ich möchte euch jetzt zwei Personen vorstellen: Natalie Jachmann und Pascal Detlefs.

Foto by Anne Pamperin
Foto by Anne Pamperin

Das rasante Duo alias das sympathische Lauf-Pärchen aus dem Norden, das Wettkampf hinter Wettkampf im Doppelpack für sich entscheidet. Wie zuletzt als sich beide den Landesmeistertitel Schleswig-Holstein in Kaltenkirchen über 10km sicherten (Natalie mit 36:35min und Pascal mit 31:51min) und beim Nachtlauf in Bremen – ebenfalls über 10km – erneut den Sieg ein fuhren (Natalie mit 36:24 und Pascal mit 31:11min).  Ach ja… den B2run über 6km (Sie: 21:33 und Er: 18:23) gab es ja auch noch und nicht zu vergessen ist Natalie aktuelle Alsterrekordhalterin über 7,33km in 26:39min und Pascals fällt mit seinen 66:52min beim HM in Berlin aktuell unter die Top20 der schnellsten Läufer Deutschlands.

Spulen wir aber noch einmal kurz zurück…  wir waren dabei, Kilometer, Distanzen und Geschwindigkeiten festzuhalten und zu teilen. Mit einem Wochenschnitt von 60km für ihn, 70km für sie haben wir jetzt aber nicht unbedingt mächtig ‚likes‘ abgesahnt… und wir würden auch nicht zwingend sagen, dass dahinter solche zwei Raketen stecken – denkste falsch!

Ich schreibe diesen Text, weil ich anhand der beiden – Natalie und Pascal – gern zeigen möchte, dass sich Leistung nicht zwingend am sturen Befolgen eines „Must-Do-Plans-Cause-FB-said-you-have-to“ festmacht!

Dass dein Körper manchmal plötzliche die 10km easy am Donnerstag doch streichen möchte, damit du Freitag 12 im 4:30-Schnitt ballerst. Oder dass die 5km am Morgen, nach den 30km am Vorabend vielleicht nicht sooooo effektiv sind – wie zuletzt Natalie ihrem Pascal sein 5km-Vorhaben fragwürdig vor die Nase hielt und er sich schließlich den Stress vor der Arbeit dann doch nicht mehr machte.

Natalie und Pascal sind nicht nur auf der Strecke ein starkes Team, sondern besonders auch auf dem Weg dorthin! Kennengelernt haben sich die zwei 2013in Niebüll – wie nicht anders zu erwarten, bei einem Wettkampf.

IMG_1369ddSeither hat man(n) bzw. besonders Frau Mann lauftechnisch und ernährungstechnisch bereichert. Pascal, der sich vorher nur mit MC Donalds und seiner eingelaufenen 4,7km Runde zufrieden gab – sich nicht groß um Abwechslung bemühte – wurde durch Natalie kulinarisch und streckentechnisch auf neue Fährten gelockt.
Das brauchte natürlich seitens Natalie konsequente Geduld, letztlich aber hat es sich bezahlbar gemacht.

Und auch Natalie profitiert von ihrem ganz persönlichen Pacemaker, der sie hin und wieder auch daran erinnert, nicht jede Trainingseinheit unbedingt voll durchzuziehen. Seitdem Natalie aber ihren Trainingsplan wieder selbst in die Hand genommen hat und ihr Training unabhängig steuert – indem sie auf ihre Beine hört -, sind bremsende Erinnerungen seitens Pascal eher selten geworden.

Natalie ist jemand, der aus WENIGER MEHR macht, indem sie beim Training die Komfortzone verlässt und die Intensität dafür hochschraubt.
Und Pascal ist so ein Phänomen, der sich scheinbar innerlich auf einen Wettkampf einstellen kann, sodass er, wenn es drauf ankommt, einfach auf den Punkt 180% knallt!

Ich glaube tatsächlich, wenn wir unserem Körper die Möglichkeit einräumen, uns selber Feedback zu geben – sprich, wir SEINE ‚Kommentare‘ und nicht die der anderen, zu Herzen nehmen, können wir sportlich wachsen, ohne die Leidenschaft zu verlieren oder womöglich noch verletzt Buße davonzutragen. Denn nicht selten wirken sich ignorierte Signale des Körpers am Ende mit erheblichen Einschränkungen im Trainingsalltag aus.

Heißt noch mal zusammengefasst: weniger ist oft mehr und DU weißt es oft besser!

Es gibt ständig neue Theorien, mutantische Prophezeiungen (wenn du X Y befolgst), gehipte Fakten, die sich in real bei einem selber aber doch nicht bewahrheiten oder DER Plan, der bei DIR aber nun mal einfach nicht greift…

Jeder tickt anders… jeder bringt andere Voraussetzungen mit… jeder reagiert auf Trainingsreize unterschiedlich und braucht mehr oder weniger Zeit, zu regenerieren… dem einen helfen die Hinweise, auf den anderen treffen sie nicht zu.

Mein Rat daher: Nutzt all jene Tipps und Tricks als potentielle Möglichkeit, euer Training zu optimieren, sofern ihr es aber erst einmal ausprobiert und nicht blind befolgt.
Genau so gut kann ein Trainer eine gänzliche Bereicherung des hilflosen Läuferdaseins sein oder in eine Spur drängen, die eigentlich aber nicht mit DIR (vielleicht mit jemanden anderen) kompatibel ist.

Mach dein Ding, lass dich nicht beeinflussen und höre auf deinen Körper – er kennt dich am besten, sofern du ihm die Chance gibst, dich richtig kennenzulernen!

20160227_1213neu04Genauso gilt es in Phasen, wo wir Endorphin-überschwemmt zum Hulk mutieren. Sprich, grenzenlos Kraft schöpfen, obwohl der körpereigene Akku sich nicht wie ein Elektromotor in motion von selbst auflädt… Wir setzen immer wieder einen drauf!

Eben erst überraschend gut den Wettkampf gemeistert und im Rausch dieses Erfolges gleich nach dem nächsten lechzen. Aber dass der Körper auch mal pausieren MUSS ist einem jeden eigentlich ja nichts Neues. Eigentlich… aber wenn’s halt gut läuft!?

Eben nicht! Denn genau darin liegt die Gefahr. Es geht eine Zeit lang gut, aber irgendwann ist selbst nicht mal Energie dazu da, die Endorphine auf die Blutbahnen zu lenken und jenes Hochgefühl auszulösen!

Kurzer Hand schwenkt der eigene Belastbarkeitspegel in den Minusbereich und plötzlich erwachen wir aus dem benebelten Flow auf.

Nur dann leider zu spät.

Deshalb, bleibt vernünftig. Hört auf euren Körper, lernt ihn kennen und gibt ihm die Möglichkeit, mit euch zu sprechen.

Im Fall Natalie und Pascal kennt der eine den anderen vielleicht manchmal sogar besser – wovon beide gegenseitig im Trainingsalltag profitieren. Was mir auch zeigt, dass wirklich hilfreiche Tipps oftmals nur dann Früchte tragen, wenn sie dir jemand gibt, der DICH auch wirklich kennt. Oder zumindest einer, der gewillt ist, dich zu verstehen, damit er beispielsweise deinen Trainingsplan individuell anpassen kann.

Große Leistungen zu erzielen, bedeutet nicht immer zwingend, einem mathematisch ausgeklügeltem System zu folgen, der dich vermeintlich schneller macht… manchmal reicht sogar der Partner!

ISTAF – das 75. Leichtathletik Highlight am 03. September in Berlin

Heute lege ich mal meinen Blog-Stil ab und schreibe etwas (aber nur etwas) mehr Zeitungskonform😉 – mit Grüßen aus der Redaktion der BZ Berlin🙂

Gestern bei der Presskonferenz nahm neben Diskus-Olympiasieger Robert Harting (31, Berlin) auch die Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz (30, Dresden) Platz.

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Nach ihrer Erfolgsserie im Jahr 2015 legte sie drei Wochen nach Jahreswechsel ein dreifacher Muskelfaserriss für Monate lahm. Und Geduld ist nicht gerade Schwanitz Stärke. „Also musste ich mich mit lebenserhaltenden Maßnahmen, sprich Stabi-Training, über Wasser halten.“

 Seit sieben Wochen ist Schwanitz aber wieder im Training und will jetzt die Olympianorm stoßen: „Rio ist das große Ziel!“

Dass sie da möglicherweise auf keine russische Konkurrentin stößt, will sie nicht unterstützen. Der internationale Leichtathletikverein (IAAF) überlegt nämlich, alle russischen Athleten von den olympischen Spielen auszuschließen. „Das würde ja bedeutet, auch sauberen Athleten die Chance auf die olympischen Spiele zu nehmen und das wäre nicht fair!“

Sie selber beteuert, ihr Leben lang sauber gewesen zu sein und auch sauber zu bleiben: „Vorher hacke ich mir die rechte Hand ab!“ Und das, obwohl wie Schwanitz im Fall Claudia Pechstein anmerkt, das eigene Sportlerleben, die sportliche Leistung nicht viel Wert sei.

„Die Forderung von Pechstein aber war krass, deswegen wurde es wohl auch abgeschmettert.“ Pechstein hatte die ISU nämlich auf rund fünf Millionen Euro verklagt, weil sie aufgrund der fälschlichen Dopingsperre jahrelange Einbußen hatte. Pechsteins Vergleich mit den Flüchtlingen – Jeder Flüchtling, der in Deutschland einreist und registriert wird, genießt Rechtsschutz. Aber wir Sportler nicht. – kritisiert Schwanitz aber vehement. „Die Flüchtlinge kommen aus Angst! Sie wissen selber, dass hier nicht alles aus Gold ist!“

IMG_8217Gold will die Weltmeisterin jetzt bestenfalls bei den Olympischen Spielen absahnen. Dafür gilt es jetzt wie auch für Robert Harting wieder Routine zu gewinnen. Wettkämpfe zu bestreiten. Aber Schwanitz selber fällt der Comeback nicht so schwer: „Mir wurde es in die Wiege gelegt! Egal was war, ich gehe in den Ring und stoße einfach!“

Robert ist da wohl etwas anders… „Er denkt zu viel!“ Wobei Robert natürlich auch schon mehr Erfolge im Nacken hat, die jetzt Erwartungen an ihn schüren. Aber kaum einer müht sich Jahre lang im Leistungssport ab und bleibt unverletzt. „Es ist völlig normal, dass irgendwann mal etwas kaputt geht! Du kannst nicht ständig Bestleistungen bringen, aber genau dieser Druck zermürbt den Geist!“

Robert spricht von „Identitäts-Wiedergewinnung.“ Man würde durch eine Verletzung vergessen, wer man ist und müsse sich danach wieder finden. Die Olympianorm hat auch Robert schon geknackt, aber mit ihm auch vier weitere deutsche Diskuswerfer – darunter sein Bruder Christoph Harting (25, Deutscher Meister 2015). Das ist natürlich eine Bedrohung, aber für Robert zugleich Herausforderung. Er muss jetzt aufholen.

Aber das ist nicht so leicht. Schließlich war er in der entscheidenden Spezialisierungsphase, wo es ums Werfen Werfen Werfen ging, erneut verletzt. Diese fehlende Routine muss er jetzt in kurzer Zeit versuchen zu kompensieren. Und vor allem „an der Symbiose zwischen Körper und Geist“ arbeiten. Robert hat Angst. Ist beunruhigt. Aber das ist zugleich auch seine „treibende Kraft!“ Wie mit der Bedrohung, eine neue Herausforderung, die motiviert und „die Lust entflammt“, wieder zuzuschlagen.

Ein Gradmesser werden die Deutschen Meisterschaften in Kassel am 18. Und 19. Juni sein. Dort wird sich frühzeitig entscheiden, welcher der fünf Diskuswerfer, schon mal ein Ticket für Rio lösen kann – denn fest steht auch hier: nur drei bekommen die Chance, bei den Olympischen Spielen anzutreten. Save dabei ist nämlich, wer sich in Kassel den Titel holt.

Und nun zurück zum ungebundenen Schreibfieber: Ich wünsche beiden Medaillen-Anwärtern viel Erfolg! Und… Ihr werdet Rio rocken – ganz bestimmt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles eine Frage des Timings!

100 Meter… in etwa 10 Sekunden…

Was wir als Zuschauer davon mitbekommen ist der Startschuss und ein ‚Streichholz-Zünden’ auf der Tartanbahn, den wir mit einem kurzen links-rechts-Schwenk des Kopfes verfolgen…

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Dass aber jeder Schritt auf die Millisekunde getaktet, jeder diagonal zum Bein gerissene Armzug bewusst rhythmisiert und der flüchtige Sprint in zuvor etlichen Trainingseinheiten optimiert wurde, bekommt der Zuschauer nicht mit.

Wie so oft machen wir Leistung oberflächlich an einem objektiven Gradmesser fest – Zeit. Andere Parameter wie der Gesundheitszustand und die somit aktuelle Fitness, der lastende mediale Druck (abgesehen von der Kunst, damit umzugehen), sprich die mentale Verfassung aber auch Wetterbedingungen oder sogar Team-interne Koordination stehen in Punkto Leistung außen vor und so auch wieder nicht im Fokus der Medien.13334756_10209662980755670_1238282836_o

Stichwort Team-interne Koordination! Stichwort Staffel!
→ 4x100m Sprint.

Aus dem Affekt heraus würde man wieder sagen: „Steckt die vier Schnellsten in ein Team und damit hat’s sich!“ Eben net!

Sven Knipphals: (10,13sek auf 100m) „Das hat viel mit Vertrauen zu tun!“ Die Staffelübergabe muss blind ablaufen! Automatismen werden abgespult. Und das ist nur möglich, „wenn man seinen Jungs zu 100% vertrauen kann und damit die Sicherheit hat, dass die Übergaben funktionieren,“ meint auch Julian Reus (Deutscher Rekordhalter über 100m, 10,05sek).

Somit ist auch der Umgang miteinander und untereinander entscheidend, da man ansonsten kein Vertrauen schaffen kann.IMG_8136-1024x768

„Neben den sportlichen Fähigkeiten spielt somit meiner Meinung nach auch die menschliche Komponente eine wichtige Rolle,“ so Julian.

Du musst die Eigenheiten eines jeden Staffelläufers kennen… wie ein Zahnrad müssen die Räder reibungslos ineinander greifen.

Sven: „Alexander Kosenkow z.B. hält seine Hand immer leicht schräg, da musst du wissen, wie du den Staffelstab übergibst…“ und das unter Sprintgeschwindigkeit. Millimeterarbeit also, neben dem abgestimmten Laufschritt auf jede Millisekunde!

Am Wettkampftag wird das dann in der Summe abgerufen. Man könnte meinen, deine vertrauten Staffelkollegen nehmen dir den Druck und du bist entspannter…

Sven: „Nein, ganz im Gegenteil! Hier zählt deine eigene Leistung sogar doppelt. Denn es reicht nicht allein schnell zu laufen… wenn du zu spät oder zu früh startest, ist die Übergabe dahin und die gesamte Teamleistung muss dafür zahlen!“

10304787_930311560328312_5716828938885332460_nHoch konzentrierst stehst du bereit. Blendest alles um dich herum aus. Hast nur deine Markierung im Blick – für Sven ist das meistens 36 Fuß hinter der Ablaufmarke, die bei 90m ist – und sobald dein Laufkollege diese Marke passiert, rennst du los. Du denkst nicht mehr nach. Machst einfach. Heißt: nimmst die Hand zur Seite, den Stab entgegen und ballern!

Es reicht also nicht einfach aus, die vier schnellsten Deutschen zusammenzuwürfeln und nach Rio zu schicken! Sprinten, besonders in der Staffel, bedeutet mehr als ’nur‘ schnell zu laufen.

Sven, Julian und die anderen deutschen Flitzer profitieren von den unzähligen Trainingseinheiten im Staffelteam. Dass es harmoniert, hat das Quartett aus Julian Reus, Sven Knipphals, Alexander Kosenkow und Aleixo-Platini Menga 2015 in Peking mit Platz vier (38:15sek) gezeigt.

Viele andere Nationen würfeln ‚leider‘ tatsächlich oft nur zusammen, was dem deutschen Team so natürlich zu Gute kommt.

Aber welche vier Deutschen die Chance dazu bekommen, entscheidet sich das erste Mal in gut zwei Wochen bei den Deutschen Meisterschaften am 18. bis 19. Juni in Kassel. Je nach Einzelleistungen vor Ort und den erbrachten Leistungen bis dahin, beruft der Bundestrainer letztlich die vier Starter für die EM in Amsterdam (06. bis 10. Juli). Und jene die dort starten, werden es voraussichtlich auch in Rio.

Wir dürfen demnach sehr gespannt sein. Freuen wir uns auf die DM in Kassel!

Mach dein Ding!

Was ist, wenn wir einen Wettkampf nicht durchs Training, sondern viel mehr mit dem Kopf entscheiden?

Besonders Marathonläufer kennen das… wo die Beine schon längst „wir können nicht mehr“ schreien, aber der Kopf das bewusst ignoriert und noch einen drauf setzt!

Nicht selten ist man von seiner eigenen Leistung überrascht… Man meistert Dinge, die man zuvor noch als absurdes Hirngespenst belächelt hat.

Aber urplötzlich sind anstelle des träumerischen Blinzeln weit aufgerissene Augen, die selber nicht fassen können, zu was man gerade in der Lage war.

Es sind Erfolge, denen man sich erst bewusst werden muss…

Scheinbar strotzt der Körper vor versteckten Reserven, die sich nur mit genügend Kampfgeist und vor allem Mut mobilisieren lassen.

Mut ist das richtige Stichwort!

Denn du bist nur mutig, wenn du genügend Selbstvertrauen hast und an dich glaubst!

Und Sicherheit gewinnst du beispielsweise, wenn das Training gut läuft… wenn du weißt, dass du hart gekämpft hast… du optimistisch bist, dass sich das am Tag X auszahlen wird!

Mentale Stärke gewinnst du aber auch durch Zuspruch und Vertrauen, das man in dich setzt! Seitens der Familie, Freunde, Trainer…

Konkurrenten sind dabei lediglich ein Maßstab der eigenen Leistungsfähigkeit, die du am Tag X abrufen konntest. Sie entscheiden aber nicht darüber, was du wirklich kannst! Das liegt allein an dir.

Du allein hast in der Hand, ob du wirklich alles gibst und dich nicht verunsichern lässt oder ob du klein bei gibst, ehe der Startschuss fällt.

Der größte Konkurrent ist man selbst! Wenn du dich selber zu streng nimmst… du dich selber unter Druck setzt oder unter Druck gesetzt wirst… aus irgendeinem Grund unzufrieden bist und dir damit selber im Weg stehst.

Denn sagen wir so… Sport ist das Paradebeispiel für Höhen und Tiefen. Siegreichen Endorphin-Überschwemmungen und ernüchternden Niederschlägen.

Die Kunst und wahre innere Stärke ist es daher, sich aus den entscheidenden Momenten, Kraft und Motivation zu ziehen.

Teilweise benebeln die Medien heutzutage das eigene Selbstbild, indem sie nicht den Menschen hinterm Sportler in den Fokus setzen und dessen Umstände einbeziehen geschweige denn respektieren, sondern ihn anhand seiner erbrachten Leistung klassifizieren.

Das kann selbstverständlich hipen und das eigene Selbstwert ungemein puschen, aber zugleich auch abheben lassen. Und viele einst erfolgreiche Profis wissen, dass man dann ganz schnell wieder fallen kann und umso härter aufprallt, als wenn man von Anfang an die Distanz zur Überschwänglichkeit bewahrt hätte.

Vielen Medien interessiert nämlich meistens nur der „Gewinn“ oder das „Versagen.“ Und nur die wenigstens machen Erfolg und Fehlschlag subjektiv fest, sondern schauen oberflächlich auf den Tag X.

Die Kunst ist es also wieder, selber einen Sicherheitsabstand einzunehmen, der einen vor unschöner Publicity schützt.

Wir Sportler müssen uns immer wieder aufs Neue daran erinnern, Erfolg an unserer eigenen Leistung festzumachen. Wenn du alles gegeben und sogar mehr erreicht hast, als du zuweilen mit gerechnet hast, dann sei stolz!

Die verdiente Anerkennung bekommst du! Auch wenn sie nicht in der Klatschpresse steht.

Aber zu allererst sei zufrieden mit dir selber und wenn dem nicht so ist, ändere das, anstatt das eigene Selbstempfinden von belanglosen Umständen abhängig zu machen.

Lass dich von deiner Leidenschaft antreiben!

Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper

Die Mia schwebt in den medialen Netzwerken als Dinkelflocke umher und ist Headcaoch im Asics Trainings Squad!

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Das erste, was ich mich gefragt habe… warum Dinkelflocke? Was oder wer steckt dahinter?

Also habe ich weiter überlegt und mal ein wenig assoziiert… Dinkel… gesund… kochen… Flocke… locker flockig… leichtfüßig… träumerisch… kindlich… lebensfroh… macht in der Summe einen beschwingten Genussmenschen, der sich gönnt, weil er es sich verdient!

Und den Headcoach nicht zu vergessen!

Bedeutet, eine richtig abgewogene Menge aus Bewegung, Genuss, kindlichem Eifer und bedachter Herzlichkeit? … Habe ich jetzt mal so notiert!

Aber zurück zur Bewegung… es kommt bei Mia nicht darauf an, in welcher Form, sondern dass sie einfach aktiv ist und nicht vor sich hin vegetiert. Das kann dann das Gemüse, das letztlich kreativ im Essen landet.

Ob Yoga, laufen, Schwimmen oder Reiten… gerne auch die Kombination aus Kraftsport und Ausdauer wie Freeletics oder Aerobic-Kurse. Radfahren oder im Sommer mit Inlinern am Main entlang rollen… Einfach beschwingt, bewegt genießen!

„Ich liebe das Gefühl dabei und vor allem danach. Es entspannt mich, es gibt mir Power für den Alltag. Neben dem Job ist Sport mein Ausgleich. Ich kann abschalten, fühle mich wohl in meinem Körper und bin ausgeglichener. Und natürlich, weil verbrauchte Kalorien große Portionen auf dem Teller bedeuten :D“

Als Sozialarbeiterin hat sie tagtäglich Menschen um sich. Deshalb tut es oft gut, nach der Arbeit mit Musik in den Ohren dem Trubel davonzulaufen und bei sich anzukommen.

Wenn ich die Posts der Dinkelflocke lese, schwappt immer ein warmes Gefühl über die geschriebenen Worte. Neben Menschlichkeit vor allem auch Ehrlichkeit und das macht es authentisch. Lebendig. Nachempfindbar. Persönlich. Ich habe immer den Eindruck, da ist sich jemand der Dinge um sich herum bewusst. Es sind oft alltägliche Dinge, auf die sie aufmerksam macht und diesen sogleich mehr Wert zuschreibt.

image4„Wir sollten die Möglichkeiten, die das Leben uns bietet nutzen und uns möglichst oft klar machen, dass es in unseren Händen liegt, was wir aus unserem Leben machen. Wir sind unsere eigenen Glücksschmiede…“

Sich also Gutes tun!

Und sich dafür selber fragen: „Bist du glücklich? Nein, wieso?“ und einfach jene Dinge ändern, die unglücklich machen.

„Bestenfalls stehe ich morgen um 5.15 Uhr schlaftrunken auf und mache mich mit meinem Freund Flo auf den Weg ins Studio.“ Ehm… okay… jedem das seine😀 Aber genau das ist es! Jeder muss seinen Weg gehen, der ihn zufrieden macht.

Bei Mia geht’s nach einem knackigen Wake-Up-Workout mit ihrem Shaker zum Bus Richtung Arbeit. Nach der Arbeit wird dann am liebsten entspannt ein Kaffee getrunken, bissl geshoppt oder sie trifft sich mit Familie und Freunde.

„Selbstverständlich wird Zuhause aber erstmal ausgiebig mit den Katzen gekuschelt.“

Auf den Bildern bei Instagram wird ganz klar ein Moment des Glücks und der Liebe festgehalten, wenn man sie mit ihren beiden Katzen schmusen sieht. Aber zwischendrin wird dann auch ein (vor)gekochtes Essensfoto gepostet – das Auge ist mit – oder einfach genüsslich Nervennahrung sich-selbst-gönnend-verspeist!

Schließlich heißt es doch: „Ein gesunder Geist in einem gesundem Körper!“

Es ist die ausgewogene Balance aus Disziplin und genüsslicher Genugtuung. Jedes Übermaß mündet in Unzufriedenheit – sei es Sport, ein strenger Verzicht ohne Ausnahme oder übertriebene Rationalität, die das ehrliche Bauchgefühl mundstill macht.

snapseedBedeutet: Gesundheitsbewusstsein ja, aber auch auf das unbewusst, spontane Verlangen eingehen.

„Ich verbiete mir nichts. Seitdem habe ich nie wieder ein schlechtes Gewissen aufgrund Lebensmitteln verspürt.“

Stichwort Rationalität und Kontrolle… Mia mag zwar eher die Vernünftige sein, aber sie ist soweit reflektiert, dass sie im nächsten Augenblick auch einfach mal ins kalte Nass springt – vorher wurde natürlich die Wassertiefe gecheckt😉

Ich glaube aber, dass genau diese Tendenz einem auch vor Übermut und unkontrollierter Völlerei😛 bewahrt. Dass, wenn man sich auch mal gönnt und nicht zu festgefahren einem vermeintlich gesundem Schema folgt, sich letztlich sowieso auf natürliche Weise und zwangslos wieder dem Gesunden zuwendet.

„Extreme tun nie gut, ist meine Devise!“

Wir Menschen neigen aber häufiger dazu, uns irgendwann von der Natürlichkeit abzuwenden. Deshalb ist die angesprochene gesunde Mitte das A und O, sich in keiner Sache zu verlieren.

Aber als bewusst denkende Wesen, überhören wir gerne absichtlich die Intuition – weil es „besser“ für uns ist…?

Stichwort Mensch sein. Menschlichkeit.

Ich habe schon häufiger darüber nachgedacht, was genau Menschlichkeit auszeichnet… Und wurde durch Mias Antworten auf meine vielen Fragen über sie noch einmal klarer gelenkt.

Es ist einerseits die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und zugleich sich selber auch von Außen zu betrachten. Denn nur, wenn man sich wie Mia selbstreflektiert, kann man als Mensch wachsen. Kritisch sein, mit sich und den Dingen um einen herum! Nicht alles sofort hinzunehmen und sich einfach zufrieden zu geben. Auch die Worte „das ist doch nur menschlich“ gehören dazu.

Bedeutet, niemand ist perfekt, auch wenn das Handeln wie bei Mia gerne danach ausgerichtet wird. Gepaart mit ihrer Sturheit, mit der man nicht zwingend gleich Negatives assoziieren braucht, kann sie aber auch sehr weit kommen. Und wenn jene Eigenschaften eben mit jener Menschlichkeit, die von Empathie und emotionaler Rücksicht zeugt, einhergehen, braucht man sich keine Sorgen zu machen, das man andere damit verletzt und unfair handelt.

image1Gesunder Ehrgeiz treibt wie beispielsweise auch im Sport an. Sowie auch Egoismus in gesunder Relation einen weiterbringt.

… dass Menschen, die man liebt und die einen liebt, uns weiterbringen… Morgens leichter zum Sport motivieren, entspannen und uns einfach innerlich gut tun.

Und wie bereits von Mia festgehalten, geht die Psyche mit dem körperlichen Befinden und zugleich dem nach Außen wirken einher. So wie auch eine positive Einstellung und der Glaube an sich selber stärkt!

Deshalb, so oft wie ich über die Bereicherung des Sports schreibe, dürfen wir auch das Drumherum nicht vergessen… wertvolle Dinge, die nicht selten auch erst für einen gesunden und starken Körper verantwortlich sind.

Deshalb danke dir Dinkelflocke für die gedanklichen Anregungen zu einem ausbalancierten, gesunden Lebensstil! Nicht alles dreht sich um den Sport🙂

Homestory – Hendrik Pfeiffer

Das ist jetzt mal eine andere Story! Nicht nur, weil schon die Informations-Beschaffung anders lief als sonst, sondern weil ich auch selber Teil der Story wurde…

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Knapp zwei Tage durfte ich Hendrik Pfeiffers Alltag miterleben. Aber es war weniger nur ein passives auf sich wirken lassen, sondern mehr ein aktives Mitmischen, sodass ich den normalen Rhythmus unseres Überraschungs-Olympioniken etwas aus dem Takt brachte.

Aber es war ja Pfingstmontag – also Feiertag-, was Abweichungen des üblichen Alltags ja rechtfertigt…

Die Idee kam mir vor knapp drei Wochen, nachdem ich bereits einen Artikel für die Sportbild über Hendrik im Petto hatte, die ihn aber eher als ehemaligen Fußballer in Szene setzte.

Trotz Medienrummel und Presse-Tsunami nahm sich Hendrik von Anfang an Zeit, mir meine Fragen zu beantworten. Ich hatte schnell das Gefühl, dass ich da auch fragend weitergehen kann…

Also schrieb ich erneut: „Du, Hendrik! Was hältst du von einer gemeinsamen Trainingseinheit?“

Ich dachte mir nämlich, wie cool es doch wäre, nicht immer das Theoretische abzuklappern, sondern auch mal das Praktische in live mitzuverfolgen. Also ein 1:1 Bericht und nicht 2:1 wiedergegeben!

Für Hendrik nichts Neues, andere Läufer zu sich einzuladen oder sie zu besuchen, um gemeinsam zu trainieren.

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Zwar gehöre ich nicht zu jenen, die einen Marathon unter 2:14h rennen, aber die ein oder anderen Laufschuhe habe auch ich schon platt getreten und irgendwie würde ich schon mithalten – notfalls mit dem Rad.

Schnell war klar, dass ich zum Fahrrad greifen muss. Bei seinem LOCKEREN GA1 Lauf in 3:30/km hatte ich selbst mit dem Rad teilweise Schwierigkeiten^^

Aus der geplanten gemeinsamen Trainingseinheit wurde dann eine ganze Homestory. Aber es war kein Solo-Ritt des 23. Jährigen, den ich hier jetzt schriftlich festhalte… Es war mehr ein abgestimmtes Teamwork. Weniger Arbeit, mehr wie ein Besuch unter Freunden.

Das lag einerseits bestimmt am Alter – der Gute ist nur 21 Tage älter als ich – aber einfach auch an Hendriks aufgeschlossenem und bodenständigem Auftreten. Ehrlich. Authentisch.

Trotz seines Erfolges beim Düsseldorf-Marathon ist Hendrik jemand, der sich selber treu bleibt und sich weiter auf sich konzentriert, sich nicht für die Kamera verstellt.

Er ist einfach Läufer…

Keiner, der irgendwelche vermeintlichen Must-Dos befolgt, um erfolgreich zu sein… Keiner, der stur nach System trainiert, sondern auch auf seinen Körper hört. Und dazu gehört beispielsweise essen, worauf der

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Körper Lust hat oder nicht gleich durchzudrehen, wenn mal die Laufuhr im 6. Stock liegen geblieben ist (na gut… vielleicht liegt es auch an den vielen Treppen, die man wieder hoch strazen müsste ;))

Dass er durch und durch leidenschaftlicher Läufer ist, zeigt nicht nur sein Hang zu viel und lang (Stichwort Marathon), sondern auch, dass die größten Schmerzen nicht die sind, die sich ab Kilometer 30 melden, sondern jene, die es dir nicht ermöglichen, erst bis Kilometer 30 zu kommen.

Stichwort: Verletzung!

Folge: Frustration. Unzufriedenheit.

Das Gefühl, nicht richtig laufen zu können, obwohl man es so gerne möchte. Gebremst zu sein, von seinen eigenen Beinen, obwohl der Kopf schon etliche Laufschritte weiter ist…

Seit Januar hat Hendrik nämlich Probleme mit seiner Achillessehne. Selbst kurz vor Düsseldorf schien noch einmal alles offen. Die zehn Tage Laufpause vor dem Start ermöglichten zwar ein rasantes Durchkommen, aber bedeuteten zugleich einen weiteren Verzicht aufs Laufen – „danach ging erst einmal gar nichts mehr!“.

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Und das ganze zwei Wochen… Zu der Zeit schwappten zwar noch genügend Endorphine in Kopf und Herz und machten es erträglich, aber mittlerweile sind die zwei Buchstaben E und M deutlich zu lesen und setzen ihn unter Druck. Erlauben Hendrik nicht jenen leichtfüßigen Trainingslaufschritt, den er gefühlt zwar kann, sich aber nicht übertragen lässt, weil der Schmerz den Takt vorgibt.

Einerseits könnte es natürlich auch der dritten Laufeinheit an diesem Montag geschuldet sein… aber wenn man zwei Wochen zuvor gar nicht trainieren konnte, war die Hoffnung einfach groß, dass es doch wieder rund laufen müsste! Besonders, nachdem der erste Longrun am Sonntag sehr gut lief…

Und schon wurde aus meiner Rolle als rasender Reporterin ein kleiner Seelenklempner und Physiotherapeut…

Nachdem wir am Morgen einen 8km-Auftakt nüchtern (macht er aber selten) hinter uns hatten (er lief los, ich fuhr mit dem Rad mit und bei Km acht wechselten wir) und mittags seine 15km hin und meine 12km zurück folgten, versuchte ich ihm das quälende aber notwendige Dehnen und die Blackroll ans Herz zu legen.

Ich bin nämlich überzeugt, dass seine Probleme an der Achillessehne u.a. mit der fehlenden Beweglichkeit, verhärteten Muskulatur und fehlenden Stabi-Übungen des Rumpfes und der Beine (besonders der Ab- und Adduktoren) zusammenhängt.

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Während ich also knappe 45 Minuten eine Art stretchendes und lockerndes Reha-Programm mit ihm durchzog und bewusst leidende Blicke ignorierte, beeinflusste ich die Story also aktiv, indem ich zum Beispiel seinen geliebten Badewannengang – der normalerweise unmittelbar nach den Läufen folgt – als auch seinen Mittagsschlaf etwas hinauszögerte. Da musste er durch!

Und auch nach der dritten Einheit, die besonders deprimierend war und in seinem Kopf als „einfach-Kilometer-sammeln…“ abgehakt wurde, tat mir der Anblick einfach nur weh und ich versuchte mich als Mental-Coach…

Selbst ein Kämpfer muss mal die Waffen ablegen, um neu zu laden!

Auch wenn die EM in Nahe Ferne rückt, bleiben die olympischen Spiele DAS Event, wo er letztlich gesund an den Start gehen möchte! Bedeutet: auch wenn keine optimale Vorbereitung auf Amsterdam möglich ist, muss man jetzt einfach langfristig denken, bevor man sich irgendwie an den Start quält, auch so keine optimale Leistung abrufen kann und womöglich auch in Rio letztlich für diese Sturheit büßen muss.

Sturheit passt natürlich zu Hendriks Ehrgeiz und kennt jeder Läufer, der nicht selten aus Unvernunft doch noch mal die Laufschuhe schnürt…

Auch sein „sich-quälen-können“ passt und kommt einmal mehr zum Einsatz, wenn Schmerzen hinzukommen… aber sich zu quälen, ist nicht immer mit „eisernem Kämpfen“ gleichzusetzen. Geduld verlangt teilweise mehr Disziplin und eiserne Stärke, als es ein Wettkampf verlangt.

Die eigene Leidenschaft kann manchmal sehr leidvoll sein… umso wichtiger ist es da, das Mensch-sein in einem zu akzeptieren. So hart und mutwillig wir auch sein mögen, wir sind trotzdem keine Maschinen!

Und das ist gut so! Die Kunst ist es, in Zeiten, wo wir unserem Körper am liebsten wütend anschreien würden, ihm Dankbarkeit entgegenzubringen. Aus einem einzigen Grund: weil er dich davor schützt, zu übertreiben!

Aber genug davon… zurück zu Hendrik und der ‚Homestory‘.

Abgesehen von gewissen Eigenheiten wie:

…vor dem Laufen immer die Nase zu putzen, eine ganze Packung Eier vorzukochen, gesalzene Erdnüsse on masse zu lagern, mit Mütze loszulaufen und diese nach 3,67km wieder auszuziehen und die Ärmel hochzukrempeln oder die Grün-Phase der Ampel abzutimen, ehe er los läuft…

war es für mich in jedem Fall ein bereichernder Einblick in das Leben eines Läufers, der zu Deutschlands Spitze gehört und dabei noch am Anfang seiner Karriere steht – das lässt hoffen, aber wird Hendrik auch nicht ruhig stimmen, wenn man ihm gerade wenn es mal nicht so läuft, gutmütig auf die Schulter tätschelt und meint, „du hast noch genug Möglichkeiten!“

Ich selber durfte feststellen, dass ich trainingstechnisch gar nicht so verrückt bin und andere deutlich verrückter – was mich teilweise doch mutmaßen lässt, ob an der Maschinen-Theorie womöglich doch etwas dran ist… ??

Ich habe gesehen, dass Sport nicht nur Disziplin mit sich bringt, sondern auch erfordert. Dass es nur funktioniert, wenn man zeitlich taktet, sich aber zugleich nicht von der Zeit unter Druck setzen lässt.

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Abschließend kann ich sagen, dass ich in Hendrik nach der kurzen Zeit nicht nur einen Kollegen (er studiert auch Journalismus), sondern auch schon als guten Freund gewonnen habe.

Ein Typus Mensch, der sich von meinem Wesen gar nicht groß unterscheidet, bzw. wo ein Miteinander im entspannten Einvernehmen abläuft. Das hat man nicht oft und deshalb bin ich sehr glücklich darüber, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Zugleich hat mich der Tag einfach darin bestätigt, dass der Sportjournalismus mehr ist, als von sportlicher Leistung zu berichten. Hinter jedem Sportler steckt nämlich immer noch ein Mensch!